Limnoterra
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Impulse

Ökosysteme sollen gefälligst ihre Arbeit tun!
CO2 binden, sauberes Wasser bereitstellen - und ein nettes Umgebungsklima.

In Google ist Umwelt grün und strahlend blau.

Ökologie ist komplex und sperrig.


Etwa wie Jura, Baustatik & automotive Lenkungssysteme. Solche Fachinhalte überlassen Politik, Medien und Öffent-lichkeit, berechtigterweise und gerne, Experten. Inhalte sind dabei relevant
- Expertinnen notwendig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ökologie - nachgeordnet Natur- & Umweltschutz - funktioniert anders.

 

Hörensagen, Meinung, Lehrmeinung und (ungeordnete) Fakten existieren wider-spruchslos nebeneinander, tausendfach überlagert von Verlautbarungen der Medien, politischen Newsrooms, Werbe- und Presseagenturen. Jahrzehnte inhaltlicher Margi-nalisierung (anhaltend), plötzliche Betroffenheit - wer nähme Aussagen der Ökologie heute nicht ernst ? - und Beliebigkeit degradiert sie zur Leerformel.
So wird sie zum Spielball der Debatten. Anything goes.

 

In diesem Umfeld fehlt zur Manipulation, angesichts politischem, wirtschaftlichem und wissenschaftlichem Erfolgszwang, oft nur noch ein kleiner Schritt. Hierzu zählt auch die Fokussierung öffentlicher Aufmerksamkeit auf im reine Gefühlsthemen.

 

Nachfolgend ein völlig harmloses, zur Kennzeichnung eines Massenphänomens aber typisches Beispiel. Hilft hier noch Medienkompetenz?

Solche Maßnahmen, Bilder und Texte sind reine „Wohlfühlökologie“ (Prof. W. Haber). Inhalte, die trivial bebildert - oft sachlich falsch - sind, aber professionell Emotionen ansprechen. Nicht ohne Grund plädiert der genannte Autor für aufgeklärte Bildung nicht »Ein«bildung. 

 

Selbst Ministerien und Fachbehörden (an dieser Stelle Beispiele aus Politik/Werbung anzuführen, erübrigt sich) neigen dazu, Umweltdaten zu emotionalisieren, als wären diese ohne „Färbung“ nichts wert, oder gar zu verstehen.

Es scheint, als hätten die für virtuelle Politik zuständigen Berater & Multiplikatoren ganze Arbeit geleistet. Verbände lernen daraus - Wissenschaft zieht nach.
 

 

Zeitungsartikel Stuttgarter Mooswand 2015 - 2019. Fühlen Sie sich informiert, oder eben nur unterhalten?

Qualifizierte pluralistische Einschätzung ökologischer Sachverhalte bedarf leider mehr, als den gesunden Menschenver-stand und dem jeweils passenden wis-senschaftlichen Statement.

 

 

 

 

 

 

Jede Info umfasst eine bis drei Textsei- ten und erfordert 5 bis 10 Minuten Zeit,
bietet aber mehr Fakten & Zusammen-
hänge, als etwa 40  Pressemeldungen (zu Info I) plus andere Verlautbarungen.

 

 

 

Im Falle fehlerhafter Angaben bei Informationen und Faktenchecks freut sich Limno-terra über das Korrektiv kritischer Leserinnen & Leser und bessert umgehend nach.

Alle Betrachtungen beziehen sich auf Institutionen - nie auf Personen.

Info I. Lösen Moose Feinstaub-Probleme in Städten?
Absorbieren Moose Feinstaub? Ja! Zudem ist die vertikale Begrünung in Städten eine wichtige Zukunftsaufgabe. Mehrere Hersteller von Mooswänden bedienen sich allerdings Informationen, die wissenschaftlich nicht haltbar sind. Eine einfache Sensitivitätsanalyse zeigt, wie weit Anspruch und Wirklichkeit auseinanderliegen. An der Stadt der Zukunft zu arbeiten, bedeutet nicht, Politik & Verwaltung nur Visionen zu verkaufen.

Are bryophytes able to absorb atmospheric particulate matter?
Yes, in any case! And further there is an absolute necessity for vertical greening of cities. But manufacturers information about benefits of several square meter moss-wall are not scientifically sound. An easy to understand sensivity analyses shows discrepancy between claim and reality.
Limnoterra_Moose_Feinstaub_2019.pdf
PDF-Dokument [210.1 KB]

 

Entscheidungsträger (parteiunabhängig) werden fachlich und neutral unterstützt.

 

Für die Themen grüne Infrastruktur, Luft-belastung und Klima gibt es dafür Politik-beratung, Umweltausschüsse, Stadtklimato-
logie, -biologie und 
Fachjournalismus.
 

 

 

 

 

 

Leider Fehlanzeige!

 

Eine dichte Packung des nach Bundesarten-schutzverordnung  und EU-FFH (Anhang V) geschützten Weißmooses (± abgestorben), an der belastete Luft vorbeistreicht, wie an einer Hauswand.

 

 

 

 

 

 

 

Preisgekrönte (wikipedia) technische Inno-

vation1 und 1,9 Millionen EU-Förderung.

 

Medien, Bundesministerien (BMBF und BMWi), selbst Wissenschaftssendungen
   Galileo „die Power von 10 Bäumen“ 
   SWR2 (gelöscht) „Citytree erzeugt Fisch-luft“ übernehmen² die laufend angepassten Herstellerangaben zur Moos-Wunderwelt.

 

 

 

 

Ärgerlich bei sämtlichen Meldungen, dass der Skalensprung vom Labor zum Realbe-trieb nie erwähnt - weil nie quantifiziert -
wird.

 

 

Der allgemeine Wunsch nach biologischen und nachhaltigen Innovationen ist so stark, dass nicht einmal abgeschätzt wird, in welchem Maße reaktiver Stickstoff oder Feinstaub aus der Umgebung (nicht im Labor-Glaskolben) gebunden wird. Hinzu kommt, daß es in derart kom-plexen Anwendungsumgebungen - zumal eine ‰ Wirkung nie auszuschließen ist - kein Haf-tungsrisiko für Hersteller gibt. Die Panne, eine hübsche, gesetzlich geschützte Moosart als Filtermatte zu verwenden, passiert Herstellern kein zweites Mal, kennzeichnet aber deren Fachexpertise. Leider auch die Urteilsfähigkeit der Förderinstitutionen.

Noch nie war Vorzeige-Umweltschutz so einfach zu haben.

 

Die Herausforderung der nationalen Bioökonomie-Strategie „Potenziale...innerhalb ökologi-scher Grenzen zu erkennen und erschließen“, sollte ernsthaft angenommen und nicht an einen grünen Markt, der natürlich jegliches Wunschdenken bedient, delegiert werden.

Einmal mehr lässt dieses Beispiel die schon traditionelle Ökologie-Blindheit technisch-wirt-schaftlich orientierter (Bioökonomie-)Fördergremien durchscheinen.

 

Bio ist nicht gleich Öko.

Mooswände leisten zu diesen Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen einen wesentlichen Beitrag (KfW-Stories).
Grenzwerte - Immissionsminderung - Kosten - Vision.

Ergänzung zu Info I

 

Die Grafik zeigt alternativ zu kollabierten Mooswänden eingesetzte technische Maß-nahmen, um EU Grenzwerte auf einem Stuttgarter Straßenabschnitt einzuhalten.

 

23 Filtersäulen, ganz ohne Moose, scheiden Feinstaub & Stickoxide aus der Atmosphäre ab. Modellierte Minderungs-Effizienz vor Ort 10%.


Der Kampf von Don Quijote gegen Entro-pie. Städtische Luftverschmutzung beruht auf einem Emissions- und keinem Immis-sionsproblem (siehe auch SWR2).

 

Info II. Die Stuttgarter Wildparkseen. Nachhaltigkeit und Grenzwerte
Wie steht die Stadt Stuttgart eigentlich zu ihren lokalen Trinkwasserressourcen?

Damit ist weder Bad Cannstatter Mineralwasser im Zusammenhang mit dem Projekt Stuttgart 21 gemeint, ebenso wenig der Bodensee, oder Wasser aus dem Donauried.

Das Beispiel Stuttgarter Wildparkseen zeigt, wie schwierig es ist, Nachhaltigkeit im deutschen Wassersektor konkret werden zu lassen. Der permanente Eintrag von Straßenablauf in ein Wasserschutzgebiet - Stuttgarts einzige lokale Trinkwasserres-source - ist seit Jahrzehnten kein Thema. Nur weil Gewässerschauen stoffliche Be-lastungen nicht erkennen, es in der Stadt ganz andere Problemlagen gibt (s.o.) und sich der Blick vom Stuttgarter Kessel hoch zum Rand meist verklärt.
Limnoterra_Grenzwerte_Chlorid_2019.pdf
PDF-Dokument [107.6 KB]

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der über den natürlich anmutenden Bern-hardsbach mit Auftausalzen belastete Stuttgarter Bärensee.

Info III. Wie ermittelt man zuverlässig Indikatorarten?
Ökologische Zeigerwerte, Indikatoren für Gewässer- und Luftbelastung, Zeiger für den Klimawandel - kaum eine Pflanzenart, die dem Anwender nicht Hinweise auf bestimmte Umweltzustände geben soll.
Der Nachteil: Es handelt sich um reine (Experten)Einschätzungen. Eine empirische Überprüfung fehlt meist ebenso, wie Angaben über die Güte des Indikators. Eine Indikatorarten-Analyse hilft.
Limnoterra_Indikatorarten_Informationen_[...]
PDF-Dokument [314.8 KB]

 

Bei Berechnungen von Bestandeszeiger-werten (Ellenberg et al. 1992) ist zu be-rücksichtigen, dass die jeweiligen Pflanzen-Zeigerwerte untereinander hoch korrelieren.

Besonders betroffen sind folgende:


Stickstoff/Feuchte       (rSP =    0,40)

Stickstoff/Licht            (rSP =  - 0,37)

Feuchte/Temperatur     (rSP = - 0,21)

rSP: Spearman Rangkorrelations-Koeffizient

Dies gilt ebenso für Bestandes-Werte,
aber in meist schwächerem Maße.

 

 

Interpretationen auf der Basis solcher Berechnungen im Zusammenhang mit Vegetations-, Klimawandelmonitoring, oder Bestimmung von Stickstoff-Grenzwerten sind daher nicht zwangsläufig schlüssig.

 

Beispiel zur Ermittlung von Diversität-Indikatorarten im Grünland.

Polemik I. ArtenkennerInnen im 21. Jahrhundert
Über Dekaden von bürgernahen Politikern als Blümchen- und Käferzähler belächelt, „wissenschaftlich diskret“ abserviert (...kein Renommee fürs Uni-Ranking), in unbe-
darften Beiträgen (...es summt und brummt im Streuobstland) noch geduldet, ge-
gängelt (aber Experten!), ermahnt, sich doch einfacher auszudrücken (...niemand versteht sie), fließen nun Krokodilstränen um die Letzten ihrer Art.

Hat sich etwas geändert? Die in Baden-Württemberg eingesetzten Haushaltsmittel wurden erhöht, zuvor geschleifte Stellen „neu“ besetzt. Die - nimmt man absehbare ökologische Veränderungen ernst - dringend gebotene Professionalisierung, Aner-kennung und Verstetigung eines (selbst)kritischen Natur- und Umweltschutzes ist kein Thema. Stattdessen Inszenierung und Initiativenflut.³
Limnoterra_Artenkenner_2019.pdf
PDF-Dokument [153.8 KB]

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Artenkennerinnen4 retten nicht die Welt,

wissen aber meist, von was sie reden.

1   Es geht nicht darum, Startups  Forschungsinstitute und größere Bauunternehmen zu demotivieren
    oder bloszustellen. Ein jeder darf
Fördermittel einwerben und verkaufen was er will. 

    Aber, wieviel Vertrauen in innovative biologisch-technische Problem-Lösungen und Fachexpertise
    sind hippe Unternehmer,  Wissenschaftler (kurzfristige Forschungsmittel) & Politiker/Journalisten
    (kurzfristige Öffentlichkeit) bereit zu verspielen?
 Als unabhängige Gutachter firmierten auf der
    Hersteller-Website noch bis vor kurzem das Karlsruher Institut
 für Technologie (KIT) und der TÜV-
    Nord. Verblieben sind folgende Firmen, Sponsoren und Eigentümer.

    Ein Amsterdamer Ingenieurbüro führte 2019 eine Wirkungssimulation von acht City Trees auf Ba-
    sis der Herstellerangaben durch und leistete das, was Aufgabe der Hersteller, Förderinstitutionen,
    Fach
behörden oder Universitäten gewesen wäre, zumal öffentliche Mittel fließen und der öffentli-
    che Raum damit zugestellt wird.

    Warum die schon immer in städtischen Scherrasen wachsenden Moose weniger Stickstoffverbin-
    dungen aufnehmen (Sedimentation) und verstoffwechseln sollten, als die nicht adaptierten Moose
    auf vertikalen Trägermodulen (die zudem die Durchlüftung behindern), ist darzulegen.
    Wenigstens eine anerkannte wissenschaftliche Publikation über Wirksamkeit und - nicht vollständig
    auszuschließende - Praxistauglichkeit wäre der richtige Weg aus der Mooswandkrise.
  Keiner der
    Hersteller war bislang in der Lage, diesen selbstverständlichen Nachweis zu erbringen. Stattdessen
    der permanente Verweis auf realitätsferne, unzulängliche von Fördergremien und Käufern nicht
    einzuschätzende - Laborexperimente.
    Künstler wie Gerd Schinkel entzaubern das Phänomen Citytree pointiert.

2   Vielleicht ein Hinweis darauf, dass vielen RedakteurInnen oft die nötige Zeit fehlt, hinter Kulissen

    zu blicken. Gerade im Falle fehlender Transparenz sollten sich öffentliche Medien gegen Verein-
    nahmung durch Wirtschaft und Politik wehren. 
Artikel sind dann eben nicht mehr exklusiv und
    brandaktuell, dafür fundiert und lesenswert.

3   Sind nicht zehntausende BiologielehrerInnen ArtenkennerInnen in spe, die Artenkenntnis praktisch

     vermitteln würden, gäbe es dafür ein Zeitkontingent? Beispiel BISA (Biodiversität im Schulalltag).
     COVID-19 als Chance für die (Wieder)Etablierung biologisch-ökologischer Fachinhalte "life-
offline"
     in der Nahumgebung
 der Schulen, mit Sicherheitsabstand in frischer Luft.
4   Sind nicht zwangsläufig Artenretter.

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