Limnoterra
Limnoterra

Hier finden Sie Limnoterra

Dr. H. Tremp
Schuhgasse 2
71083 Herrenberg

 

oder nutzen Sie das
Kontaktformular

Der Schlossberg bei Herrenberg

Diversitäts-Pfad (Gefäßpflanzen)

 

Eine beliebte Wanderung führt von der Herrenberger Altstadt durch das Hagtor über den Schlossbergrücken zum Kapf.

 

 

 

Entlang dieser Wanderroute wurden bisher rd. 300 Gefäßpflanzen1 erfasst. Die alphabetische Zusammenschau mit Angaben zu Wegabschnitt und Blütezeit steht als Download zur Verfügung. 

Ziel ist es, Interessierten die Herren-berger Flora näher zu bringen.

 

 

Die einfach nachvollziehbare Untersuchung bietet Gelegenheit, Muster der Arten-vielfalt vor der Haustüre zu verstehen. Daneben werden Zusammenhänge zwischen reiner Pflanzenarten-Diversität und Pflanzenarten-Spezifität (charakteristischen Arten)  - nicht trivial/nicht abstrakt - nachvollziehbar.

 

Die vier Wegabschnitte umfassen knapp 4 Kilometer. Start ist die Herrenberger Altstadt mit ihrer ruderalen Flora. Weglänge rd. 740 Meter (1). Nach dem Hagtor beginnt ein Abschnitt (890 Meter) in einem älteren Sukzessionswald (2), den man in Höhe des Parkplatzes "Rotes Meer" verlässt. Hier öffnet sich die typische Kulturland-schaft des Schönbuchrandes bis zum Kapf. Der Teilabschnitt (3) umfasst 1170 Meter. Zurück (Abschnitt 4) geht es entlang ruderalisierter Wegränder, Gärten und Streu-obstwiesen.

 

Im Gegensatz zum nahe gelegenen Grafenberg, hat der Schlossberg wenig spekta-kuläre Arten zu bieten. Dessen ungeachtet bietet sich hier die Gelegenheit, knapp 1/10 der in Deutschland vorkommenden Pflanzenarten kennenzulernen.2

 

1. Kahles Bruchkraut, Portulak und Hungerblümchen

 

Glücklicherweise findet sich in der Herrenberger Altstadt noch Straßen-pflaster mit breiten und tiefen  Fugen.

 

 

Dieser Lebensraum ist einerseits hochgradig gestört (Tritt), stellt auf der anderen Seite den Pflanzen-Zwergen eine Fülle an Ressourcen wie Nährstoffe und Feuchtigkeit bereit. Die Flora der Pflasterritzen gleicht anderen Städten. Zweifellos ist Herrenberg aber die Hauptstadt des Gemüse-Portulak (Portulaca oleracea).

 

2. Waldsegge, Hexenkraut und Hain-Rispengras

Durch früheren Abbau des Schilfsand-steins finden sich hier gestörte Böden mit hohem sog. Skelett(Stein)anteil.

 

 

 

 

 

 

 

Die Standort-Trockenheit, der junge Baumaufwuchs und eine kaum ent-wickelte Wald-Humusform bedingt die artenarme, wenig waldtypische und ruderal geprägte Krautschicht.

 

3. Schild-Ehrenpreis, Knöllchen-Steinbrech und Wirbeldost

Standörtlich differenzierter Landschafts-ausschnitt (nass bis trocken), mit einer lange zurückreichenden bäuerlichen Wiesen-, Weide-, Streuobstnutzung.

 

 

 

 

 

 

 

Noch stark differenzierte Lebensräume und divers, aber mit bereits deutlichen Verlusten (Gründe) an Arten der his-torischen Kulturlandschaft.

 

4. Klettenkerbel, Milchstern und Giersch

Reste historischer Kulturlandschaft - meist unternutzt. Relativ stark eutrophiert und ruderalisiert. Gezeigt wird eine Auswahl weißblühender Arten.

5. Artendiversität Stadtlandschaft vs. Kulturlandschaft

Nachfolgende Abbildungen geben Diversitäts-Muster und die floristische Spezifität der vier Wegabschnitte wieder. Daneben werden die Anteile an Holzpflanzen, Gräsern, Kräutern und Farnen dargestellt.

 

Der Wegabschnitt 2 (durch den Sukzessionswald) weist die geringsten Artenzahlen in der Krautschicht auf. Stadtlandschaft (1), Kulturlandschaft (3) und  "Mischtyp" (4) sind hinsichtlich der Artenzahlen vergleichbar, aber nur Stadtlandschaft und alte Kulturlandschaft weisen eine hohe Spezifität (Einmal-Nennung von Arten auf einem der Wegabschnitte) der Pflanzenarten auf.

 

 

Ausblick

Während die Artenvielfalt der Stadtflora durch Klimawandel-begünstigte Arten in Zukunft eher noch zunehmen wird, werden die charakteristischen Arten der
historischen Kulturlandschaft seltener - bzw. sind längst verschwunden.

 

Artendiversität & - spezifität ist in vielen Landschaften Deutschlands insbesondere

  • durch hohe Flächenwirksamkeit maschineller Nutzung sowie Überbauung
  • nicht-nachhaltige wirtschaftliche Ziele (fehlende Orientierung an Landschaftspotential)
  • unspezifische Agrarsubventionen und hierdurch in der Fläche erzeugten Bruch mit ehemals vielfältigen Nutzungsformen3

 

gefährdet. Der Schönbuchrand stellt in Folge seiner standörtlich begrenzten  landwirschaftlichen Nutzungsoptionen noch einen Refugialraum dar, was aber lediglich heißt, dass die Negativ-Entwicklung hier langsamer vonstatten geht.

Vorläufige Artenliste Biodiversitätspfad (Herrenberg & Schlossberg)
Limnoterra_Akt_Liste_Oktober_2022.pdf
PDF-Dokument [160.8 KB]

1

Die Gruppe der Gefäßpfllanzen umfasst neben den Blütenpflanzen (= Samenpflanzen) auch Farne/Bärlappe. Farne wurden miterfasst. Die Artenzahlen der Liste sind vorläufig, da bei jeder
Begehung weitere Arten gefunden werden.

2

Eine Bestimmungs-App, die eine Datenbank mit 5000 Arten bereithält - ebenso viele potentielle Irrtümer - brauchen Sie nicht. Es kommen auf den Wegabschnitten die gelisteten Arten vor. Außer-
dem reflektiert man nur Artenkenntnisse, die man im Kopf hat, nicht mit auf Servern abgelegten.

3

 „Das Aussterben von Arten in unserer Kulturlandschaft ist ein vergleichsweise junges Phänomen.
Obwohl Klima und Extremwetterereignisse, Krankheiten, Kriege, Geistesströmungen technischer Fortschritt und ökonomischer Wandel sowie Verordnungen und vieles mehr seit über 7000 Jahren
auf die Artenvielfalt einwirken, hat das Artensterben in unserer Kulturlandschaft erst im 20. Jahr-hundert eingesetzt.“ P. Poschlod (2014): Geschichte der Kulturlandschaft. Ulmer.

Druckversion | Sitemap
© 2004-2022 Limnoterra, Dr. H. Tremp