Limnoterra
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Dr. H. Tremp
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Der Schlossberg bei Herrenberg

Diversitäts-Pfad (Gefäßpflanzen)

 

Eine beliebte Wanderung führt von der Herrenberger Altstadt durch das Hagtor über den Schlossbergrücken zum Kapf.

 

 

 

 

Entlang dieser Wanderroute wurden bisher 286 Gefäßpflanzen1 erfasst. Die alphabetische Zusammenschau mit An-gaben zu Wegabschnitt und Blütezeit steht als Download zur Verfügung. 

Ziel ist es, Interessierten die Herren-berger Flora näher zu bringen.

 

Die einfach nachvollziehbare Untersuchung bietet Gelegenheit, Muster der Arten-diversität vor der Haustüre zu verstehen. Daneben können Zusammenhänge zwi-schen Pflanzen(arten)diversität, seltenen (Rote Liste) & charakteristischen Arten  (z.B. an Herrenberger Schulen) - nicht trivial/nicht abstrakt - erarbeitet werden.

 

Die vier Wegabschnitte umfassen knapp 4 Kilometer. Start ist die Herrenberger Altstadt mit ihrer ruderalen Flora. Weglänge rd. 740 Meter (1). Nach dem Hagtor beginnt ein Abschnitt (890 Meter) in einem älteren Sukzessionswald (2), den man in Höhe des Parkplatzes "Rotes Meer" verlässt. Hier öffnet sich die typische Kulturland-schaft des Schönbuchrandes bis zum Kapf. Der Teilabschnitt (3) umfasst 1170 Meter. Zurück (Abschnitt 4) geht es entlang ruderalisierter Wegränder, Gärten und Streu-obstwiesen.

 

Im Gegensatz zum nahe gelegenen Grafenberg, hat der Schlossberg wenig spekta-kuläre Arten zu bieten. Dessen ungeachtet bietet sich hier die Gelegenheit, knapp 1/10 der in Deutschland vorkommenden Pflanzenarten kennenzulernen.2

 

1. Kahles Bruchkraut, Portulak und Hungerblümchen

 

Glücklicherweise findet sich in der Herrenberger Altstadt noch Straßen-pflaster mit breiten und tiefen  Fugen.

 

 

 

 

Dieser Lebensraum ist einerseits hochgradig gestört (Tritt), stellt auf der anderen Seite den Pflanzen-Zwergen eine Fülle an Ressourcen wie Nährstoffe und Feuchtigkeit bereit. Die Flora der Pflasterritzen gleicht der anderer Städte.

 

2. Waldsegge, Hexenkraut und Hain-Rispengras

Durch früheren Abbau des Schilfsand-steins finden sich hier gestörte Böden mit hohem sog. Skelett(Stein)anteil.

 

 

 

 

 

 

 

Die Standort-Trockenheit, der junge Baumaufwuchs und eine kaum ent-wickelte Wald-Humusform bedingt die wenig waldtypische, dafür stark ruderal geprägte Krautschicht.

 

3. Schild-Ehrenpreis, Knöllchen-Steinbrech und Wirbeldost

Standörtlich differenzierter Landschafts-ausschnitt (nass bis trocken), mit einer lange zurückreichenden bäuerlichen Wiesen-, Weide-, Streuobstnutzung.

 

 

 

 

 

 

 

Noch stark differenzierte Lebensräume und divers, aber mit bereits deutlichen Verlusten an Arten der historischen Kulturlandschaft.

 

4. Klettenkerbel, Milchstern und Giersch

Reste historischer Kulturlandschaft - meist unternutzt. Relativ stark eutrophiert und ruderalisiert. Gezeigt wird eine Auswahl weißblühender Arten.

5. Artendiversität Stadtlandschaft vs. Kulturlandschaft

Nachfolgende Abbildungen geben Diversitäts-Muster und die floristische Spezifität der vier Wegabschnitte wieder. Daneben werden die Anteile an Holzpflanzen, Gräsern, Kräutern und Farnen dargestellt.

Zusammengefasst

 

Der Wegabschnitt 2 (durch den Sukzessionswald) weist die geringsten Artenzahlen in der Krautschicht auf. Stadtlandschaft (1), Kulturlandschaft (3) und  "Mischtyp" (4) sind hinsichtlich der Artenzahlen vergleichbar, aber nur Stadtlandschaft und alte Kulturlandschaft weisen eine hohe Spezifität (Einmal-Nennung von Arten auf einem der Wegabschnitte) der Pflanzenarten auf.

 

Ausblick

 

Während die Artenvielfalt der Stadtflora durch Klimawandel-begünstigte Arten in Zukunft eher noch zunehmen wird, besteht schon seit langem ein Rückgang von  Arten, die charakteristisch (spezifisch) für historische Kulturlandschaften sind.

 

Die Artendiversität der Kulturlandschaft ist insbesondere durch kurzfristige/nicht-nachhaltige wirtschaftliche Ziele und unspezifische Agrarsubventionen gefährdet.

Vorläufige Artenliste Biodiversitätspfad (Herrenberg & Schlossberg)
Limnoterra_Liste_2022.pdf
PDF-Dokument [158.0 KB]

1

Die Gruppe der Gefäßpfllanzen umfasst neben den Blütenpflanzen (= Samenpflanzen) auch Farne/Bärlappe. Farne wurden miterfasst. Die Artenzahlen der Liste sind vorläufig, da bei jeder neuen Begehung weitere Arten hinzukommen.

2

Eine Bestimmungs-App, die eine Datenbank mit 5000 Arten bereithält - ebenso viele potentielle Irrtümer - brauchen Sie nicht. Es kommen auf dem Pfad die gelisteten Arten vor. Außerdem reflektiert man nur Artenkenntnisse, die man im Kopf hat, nicht mit auf Servern abgelegten.

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