Limnoterra
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Bildergalerie Moose

Moose und Artendiversität

Ontario-Rosenmoos (Rhodobryum ontariense)

 

Moose sicher und einfach bestimmen!

Schön, wenn das so wäre.

 

Leider ist die Bestimmung von Moosen schwierig und zeitraubend. Hinzu kom-
mt, dass Bestimmungs
literatur kaum ohne eine erste praktische Anleitung genutzt werden kann und nicht ohne Grund ist die Taxonomie der Moose im Fluss.

 

 

 

 

 

 


Mit einem Feldschlüssel (BBS, British Bryological Society) und guten Abbildungen, sollten die ersten Schritte gelingen. Zusätzliche  Informationen erhält man bei der BLAM (Bryologisch-lichenologische Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa e.V.). Instruktive Einführungen (Stuttgarter Raum) in die Bryologie von U. Schwarz (Frahmia).

 

Bei Studierenden biowissenschaftlicher Fächer an Hochschulen und Universitäten ruft die Aufforderung sich mit Moosen, Flechten und Algen zu beschäftigen, meist nur noch ungläubiges Erstaunen hervor. Kaum mehr erfahren sie die Faszination des Erkundens mikroskopischer Welten mit Binokular und Mikroskop. Dies liegt nicht  daran, dass es Universitäten an Binokularen und Mikroskopen mangelt, sondern an fehlender wissenschaftlicher Anregung und kaum existentem Kursangebot.

 

Der Tiefpunkt der Vermittlung taxonomischer Kenntnisse wurde innerhalb der UN-Dekade der Biodiversität 2011-2020 erreicht (Artenkennerinnen). Wie soll Artendiversität als Wert erachtet, geschützt oder wenigstens toleriert (Gepflegte Mauern) werden, wenn sie kaum mehr wahrgenommen wird?

 

Die Bildergalerie zeigt  Moose, die, tritt man aus der Haustüre auf die Straße (1 bis 5), entdecken kann. Des weiteren häufige Moose des Waldbodens (6 bis 8), Mauern und Kalkgestein (9 und 10), verwittertem Totholz (11 und 12), der Baumborke (13 bis 15), Ruderalstellen (16, 17 und 18), der Moore (19)  und  Bachböschungen (20).

 

Bilder zu Torfmoosen.

Moose und der Feinstaub

 

Die Aufstellung von Mooswänden  zur Bindung von Feinstaub in Stuttgart und anderen Städten zeigt, wie sich das  un-geliebte Grünzeug zum medialen Hoff-
nungsträger wandeln kann.


Bei Berücksichtigung der

  • Biologie der Moose,

  • der Dimension der Mooswände

  • sowie des Versuchsdesigns

geraten solche Maßnahmen zu Verzweif-lungstaten nach dem Motto „wenn keine Technik mehr hilft, hilft uns vielleicht wieder die Natur“.

 

 

Nach 400 Millionen Jahren erfolgloser Bemühungen, so zu werden wie die Bäume, d.h. mit einem ordentlichen Stamm und Wasserversorgung bis in die obersten Blät-
ter, ist Moosen dies nun in kürzester Zeit durch Koevolution mit Politikern, Stadtver-waltungen, Wissenschaftlern und mittelständischen Unternehmen gelungen. 
Sie be-sitzen heute Beton- bzw. Edelstahlfundamente sowie eine digital gesteuerte Wasser-versorgung. Und durch das Internet of Things (IoT) werden sie sogar intelligent. 

 

Chronologie von drei Jahren zukunftsweisender biologischer Filtertechnik1.

Stuttgart und Amsterdam - ein Vergleich.

Lösen Moose Feinstaub-Probleme in Städten? Detaillierte Informationen.

 Moose - ex und hopp

„Moos haben“ bedeutete umgangssprachlich schon immer „Geld haben“. Es lässt sich damit zunehmend auch Geld verdienen. Etwa mit dem Gemeinen Weißmoos an dekorativen Mooswänden im Büro, in Restaurants und der schicken Boutique.

 

Natur-Design-Konsum in seltener Eintracht. Schlicht die Glücksformel.

 

Als Dekorationsartikel überleben die Polster kaum einen Monat. Große Exemplare sind mehrere Jahrzehnte alt und wegen ihres langsamen Wachstums nur schwer dauerhaft  zu kultivieren. Sie heißen nicht Grünalge oder Silomais; auch wenn heute Wissenschaftler von Turbo-Torfmosen - etwa zur Rettung des Weltklimas - träumen.
Daher tangiert sie beschleunigter Massenzuwachs, Ingenieurskunst und Prozess-Steuerung wenig2.

 

Dass die Moosgattung Leucobryum (Weißmoos) in Deutschland wegen zunehmender Seltenheit (Bundesnaturschutzgesetz, EU-FFH Anhang V und Bundesartenschutzver-ordnung) nicht entnommen werden darf, können Designer, Floristen, Büroausstatter, Startups und Patentanmelder nicht wissen. Förderinstitutionen sehen wohl in erster Linie die Erlöse von € 600-800 je Quadratmeter Mooswand und Kunden hoffen auf ein endlich besseres Büro-Klima.

 

Nach FFH-Bericht (2019) ist der Erhaltungszustand der Art in Deutschland unzurei-chend. Da mag es beruhigen, dass zwar in Deutschland und den Alpen fleißig ge-sammelt wird, die meisten hier verwendeten und entsorgten Exemplare aber aus Osteuropa stammen.3

Vegetationskundler sind angehalten das Weißmoos, etwa im Zusammenhang mit der Eingriffsregelung, im Gelände als geschützte und wertgebende Art zu kartieren, während es massenhaft in hippen Büros - eine Art Naturtrophäe - vertrocknet. Alternativ besser Moss-GraffitisNatur-Aneignung mit dem Mixer.

Das Zweizähnige Kammkelchmoos

Das häufigste Lebermoos (Lophocolea bidentata) auf morschem, feuchten Holz. Moosthallus, Sporophyt, Sporen & Elateren.

Coccomyxa und Moose

 

Coccomyxa cf. confluens ist eine Grünalge (Chlorophyta). Sie bildet Kolonien unbeweglicher Zellen, die in Gallerte eingeschlossen sind. Einzelne Vertreter dieser Algen-gattung leben terrestrisch bzw. aerophytisch auf Baumrinden, Steinoberflächen und Moosen. Manche gehen als Algenpartner Flechtensymbiosen ein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gallerten in Moosen, wurden schon öfter beschrieben. Sie beherbergen zahlreiche Protozoen, Pilzhyphen, Moosprotonema und bisweilen auch andere Algen.

 

Allerdings fielen in den letzten Jahren diese Gallerten immer häufiger auf. Da Grün-
algen selbst keinen Luftstickstoff fixieren, wird vermutet, dass die hohen Stickstoff-Einträge in Waldbestände zumindest teilweise für dieses Phänomen verantwortlich sind. Welchen Einfluss dies für die Zersetzer-Gemeinschaften und die Artendiver-sität, vor allem der konkurrenzschwachen Totholzmoose hat, ist unklar.

 

Randbemerkung

Im Gegensatz zu Moosen ist dies ein Organismus, der für Ingenieure und Biotechno-logen gut handhabbar ist. Inwieweit mit Algenfassaden in Städten aber die Zukunft zu gewinnen sein wird, sollte an lebenswerter grüner Architektur gezeigt werden. Wie für lebende Mooswände gilt auch für Mikroorganismen-Systeme, dass sie kaum steril und damit auf Dauer kontrolliert technisch genutzt werden können. Kein Wun-der - sie haben ein Eigenleben.

  Das Zitat entstammt dem veröffentlichten Protokoll des Technischen Ausschusses der Stadt Stutt-
     gart. 2018: Ein CityTree erbringt nach Herstellerangaben der Green City Solutions GmbH die Um-
     weltleistung von bis zu 275 Stadt-Bäumen. Zur Umsetzung des Projekts sagte der Bürgermeister
     für Technik: "Eine Stadt zu begrünen, heißt mehr, als einfach einen Baum zu pflanzen. Es müs-
     sen die Voraussetzungen vor Ort und die besonderen Bedingungen der Pflanzen berücksichtigt
     werden. Ein neuer Baumstandort ist damit auch immer ein technisch anspruchsvolles Projekt."
     2021: Citytrees werden erneut als Option im Bürgerhaushalt genannt.

     Anm.: Die von Ökologen oft geschmähten städtischen Scherrasen weisen vergleichsweise güns-
     tige
 Bedingungen für die Sedimentation (Horizontalflächen hoher Rauigkeit) von Feinstaub auf,
     der 
in ohnehin belasteten Stadtböden dauerhaft gebunden wird.

2   Wenn man etwas von Moosen lernen kann, so ist es, dass Langsamkeit, Beharrlichkeit und Wider-
     standsfähigkeit ein evolutionäres Erfolgsrezept sein kann(was leider so gar nicht zur Verwertungs-
     Philosophie/Bioökonomie passt).

3   Eine mögliche Lösung: Solange in Deutschland (und anderen europäischen Ländern) Kahlschläge
     von Wäldern akzeptiert werden, könnte man dort zuvor auch größere Mengen
Moose entnehmen,
     da diese nach dem Eingriff ohnehin flächig absterben. Dadurch wären Moose nicht mehr das
     „letzte freie Gut“, dass zu kommerziellen Zwecken - einfach so - geplündert werden kann.
     So verständlich es ist, dass nicht jeder dem Wald Holz entnimmt, oder einem Moor Torf, so unver-
     ständlich, dass dies für andere Waldprodukte wie den Moosen nicht gilt. Privatpersonen, Waldkin-
     dergartengruppen und Moss-Graffiti-Produzenten fallen dabei vermutlich weniger ins Gewicht.

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