Limnoterra
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Bildergalerie Bäume in Stuttgart

Bäume sind ein bewegendes (Wanderbaumallee), wichtiges (Stadtbäume) und auch
von der Stadtverwaltung in Stuttgart (Baumkataster), wie auch anderen Städten, viel beachtetes Thema.

Dennoch erscheinen zu dem Komplex Baumpflanzung-Klimawandel-Nachhaltigkeit ergänzende Überlegungen sinnvoll, die das Thema vom

  • öffentlichen (...mehr Grün, mehr Bäume...)
  • gärtnerisch-planerischen (...schmale Krone, ornamental...)
  • in den ökologischen Bereich (Möglichkeitsbereiche Natur & Stadt)

erweitern. Hinterfragt wird auch die weit verbreitete Auffassung, Natur in der Stadt bedürfe laufend unserer Hilfe, andernfalls z.B. sonst alle Bäume verdursten würden.

 

 

„Vor unserem Haus wuchs ein schöner, gesunder Blauglockenbaum, der Vögeln und Stadtbienen Unterschlupf und Nahrung bot – heute wurde er gefällt….


Wenn ich den Baum vor unserer Haustür nicht retten kann, wie soll ich verhindern, dass im Amazonasgebiet Bäume fallen.“ (J. G. Diaz, Stuttgart. Die Zeit 12.3.2020).

 

 

 

 

 

 

Vielen Baumarten in Stuttgart sagt das Klima zu

 

Für die mittlerweile überall in Stuttgart (und anderen Städten sowie jedem Auto-bahnmittelstreifen) spontan etablierten Gehölzneophyten Götter- und Blauglocken-baum, Eschenahorn und Robinie sind weder Risikoanalysen mehr angezeigt, noch lassen sich diese Arten heute noch zurückdrängen.1
Man sollte sie akzeptieren2 und ihre weitere Ausbreitung als natürlichen Prozess betrachten. Unter Umständen sind solche Arten ein wichtiger Mosaikstein bei der Anpassung an strukturell degradierte, versiegelte und versalzte Böden und den Klimawandel in der Stadt.

 

Diese ungeplanten Baumarten würden, liese man sie wachsen, Suttgart innerhalb von 20 Jahren in einen halbschattigen Abenteuerspielplatz verwandeln. Ob sie das dürfen, interessiert die Bäume nicht die Bohne.

 

Niemand käme auf die Idee diese Gehölze mittels grünen Plastikgießkannen, oder Gießfahrzeugen "Weltklima in Not - Stuttgart (gießt) handelt" und computergesteu-ertem Fahrtenprogramm mit Wasser zu versorgen. Sie sind kein Pflegefall wie der Wassersack-Baum nebenan - sie wachsen einfach. Warum eigentlich? 

Darf es eine Spur wilder sein?

 

Im Gegensatz zu überall gepflanzter Baumschulware mit unangepasstem Wurzel-
ballen, brauchen die ungewollten Bäume keine Wassersäcke, weil sie ihr Wurzelsys-tem direkt am extremen Keim- und Wuchsort entwickeln³ und mit Hilfe einer ausge-klügelten Sensorik dort Wurzeln hinschicken, wo Wasser ist. Bei Grünplanung/Stadt- verwaltung/Gemeinderat/Verbänden/Forschung kein Thema.
So werden Bewässerung und Baumschulbäume alternativlos.


Zweifellos ist es eine freundliche Geste von Firmen, Versicherungen und Banken, Bäume zu verschenken. Dennoch sollten bei Pflanzungen in Städten nicht Sorten-kataloge & publicity die einzig bestimmenden Kriterien sein.

 

Beispiel: Der Amberbaum

Neben dem Amberbaum aus Auwäldern Nordamerikas säumen weitere fremdländi-sche Arten wie Rot-Ahorn & Manna-Esche die Straßen (Beispiel Am Kräherwald).

Es handelt sich dabei, wie bei den spontan in Stuttgart aufkommenden Baumarten  um Neophyten4, genaugenommen aber um kostenintensive Neophyten.

 

 

Ökologischer Wurzelabdruck?

 

Sind Gedanken über den ökologischen Wurzelabdruck aufgepäppelter, transportierter und dauerhaft bewässerter Bäume & Horizontalbäume in Klimawandelzeiten völlig abseitig? Eschenahorn und Blauglockenbaum brauchen lediglich Platz und Versick-erungsmulden und vor allem Bewohner, Garten- und Friedhofsämter, Stadtplaner, Architekten, die mit einer solchen kostenlosen Ressource umgehen mögen/können. Gehölzbestände schaffen interessante und lehrreiche Formen von Natürlichkeit in der Stadt, wie man überall sehen kann.

Denkt man nur an hipp-gestaltete, bewässerte Grünfassaden, in die Horizontale ge-zwungene Bäumchen, Gießinfrastruktur und Aktivisten-Bonus, sieht man freilich den Wald nicht, der darauf wartet - ganz ohne unser zutun - zu wachsen.


Der nachstehend näher beschriebene Chinesische Götterbaum hat es mittlerweile in die Unionsliste hoch-invasiver Arten geschafft. Die kritische Einschätzung ist nicht falsch, kommt aber leider 100 Jahre zu spät. Vor Invasionen schützt man sich, bevor deren exponentielle Ausbreitung beginnt. Dies gilt auch für exotische Baumarten, die wir heute überall pflanzen/freisetzen. Über deren Ausbreitung dürfen sich dann un-sere Kinder ärgern.


Natur zulassen und würdigen:  in der Stadt die größte aller Herausforderungen.
 

1     Bis zur Mitte des Jahrtausends werden durch globale Handelsströme in Mitteleuropa tausende weiterer Tier-
       und Pflanzenarten einwandern. Im Gegensatz zum Zauberlehrling, bei dem ein Zauberspruch genügte, dem
       Treiben Einhalt zu gebieten, werden verstärkte Eindämmungsmaßnahmen, angesichts unserer einstigen und
       heutigen Ahnungslosigkeit - es wird alles gepflanzt, was der Markt, bzw. das grüne Werbebudget von Spon-
       soren hergibt - bestenfalls zu einer moderaten Verlangsamung der Pflanzen-  und Tierinvasionen beitragen. 

2    Es lässt sich problemlos entscheiden, wo  - etwa wegen zu erwartender Schäden an Gebäuden - gerodet
      werden muss. Man könnte zur Frage Erhalt ja/nein die Anwohner befragen „Darf der das“  und erhält so ein
      quartierbezogenes Stimmungsbild, ob Klimaanpassung oder Parkplätze bevorzugt werden, ohne dass die
      Stadtverwaltung sich dem Vorwurf aussetzt, Anwohnerwünsche zu ignorieren. Moderieren statt bestimmen.

3     Forscherinnen, die aufzeigen, dass etwa Südost-europäische (u.a.) Baumarten in Deutschlands Städten  
      besser performen als einheimische, vergleichen in der Regel Baumschulware und kaum sich vom Samen bis
      zum ausgewachsenen Baum entwickelnde heimische Baumarten, also solche, die neben einem (städtischen)
      Adaptationsprozess auch einen Ausleseprozess durchstanden haben.
      Nun sind  schnelle Anpassungsschritte der Städte und Gemeinden an den Klimawandel zweifellos begründet,
      aber warum fokussiert man auf nur zwei Alternativen (Baumarten/Bewässern) mit erheblichen Nachteilen?

4    Spätestens, wenn diese Gehölze reichlich fruchten, werden sie sich ebenso unkontrolliert über das Stadtge-        biet ausbreiten, wie heute Blauglockenbaum, Götterbaum und Eschenahorn, die dafür über 70 Jahre Gele-
      genheit hatten.

      Welche Schlüsse sind daraus zu ziehen und wie zeitgemäß sind die vielen Bekämpfungsanleitungen für neo-
      phytische Gehölze, wenn die meisten als „Klimawandel-Zukunftsbäume“ von 
der Forstwirtschaft bereits
      gesetzt und die Arten ohnehin in jeder Baumschule erhältlich sind?

      Vor baumlosen Steppen muss man sich in Baden-Württemberg nicht fürchten, weder in der Stadt, noch auf
      dem Land. Vor dem unbedingten Willen, alles zu gestalten vielleicht schon.

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