Ökologie (Begriff: Ernst Haeckel 1866)
Eine Teildisziplin der Biologie, der Wissenschaft vom Leben und der Organismen. Ökologinnen erforschen die Beziehungen der Lebewesen untereinander und mit
ihrer Umwelt. Kurz: Ökologie versucht zu klären, wie Natur funktioniert.
ÖkologInnen
Der Ökologie als Wissenschaft kann man sich über viele Studiengänge (Geobotanik, Agrarwissenschaften, Bodenwissenschaften, Wasserwirtschaft u.a.m.) annähern. Ökologen sind Fachwissenschaftler, die zehn(hundert)tausende Seiten Fachliteratur gelesen haben, grundlegende Kenntnisse in Geologie, Bodenkunde, (Mikro)Meteoro-logie, Hydrologie, Vegetations- & Tierökologie haben sowie über vertiefte Arten-kenntnisse bei mehreren Organismengruppen verfügen.
Die schiere Menge an gemerkten Begriffen, Definitionen oder wissenschaftlichen Art-namen zeichnen Ökologen aber nicht aus. Wiewohl auch nicht alles, was man im Laufe seines Lebens
liest, weiterführend ist.
Kennzeichnend für Ökologen ist vielmehr ihre Aufmerksamkeit und ihr stetes Inter-esse, nachzuvollziehen wie andere Menschen (Buchtipp:
Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen) vegetations- oder tierökologische Sachverhalte bis hin zu komplexen Phänomenen beschreiben, analysieren und erklären. Ob deren Sichtweise zutrifft
werden insbesondere als Biotopkartierer tätige Ökologen, laufend mit der Realität abgleichen und ggf. modifizieren. In etwa so haben auch schon frühe Homo sapiens voneinander gelernt.
Ökologen wissen daher nicht alle dasselbe, aber vieles, was sie wissen, ist nicht oberflächlich, sondern entspringt tiefem Erfahrungswissen. So entsteht Urteilsver-mögen über Arten &
Landschaft. Eine KI-Abfrage legt im Unterschied dazu (keine) Strukturen in uns an. Entsprechend ist bei einseitiger
Informationsübernahme
die Bereitschaft für etwas einzustehen oder weiterzubringen kaum ausgeprägt.
Nein, das ist Allgemeinbildung, d.h. Aufgabe der Bildungseinrichtungen. Ökologen könnten so viel mehr für Umwelt- und Na-turschutz und die Zukunft der Gesellschaft leisten, würden sie bei Eintscheidungsprozessen adäquat eingebunden.
Warum wirft der Baum zwei Monate früher
als üblich seine Blätter ab?
Dies vor dem Hintergrund, dass man der tatsächlicher Komplexität ökologischer Phänomene nie gerecht werden kann. Allein schon deshalb, weil über das, was bei einer Fragestellung nicht
betrachtet/gemessen wurde, keine Aussage möglich ist.
Tatsächlich gibt es immer mehr unbekannte Faktoren, als die zwei oder drei der engeren Auswahl. Nicht selten untersucht man solche Faktoren die zeitökonomisch passen, bzw. für die
man ein passendes Messgerät zur Hand hat. Im Falle statist-ischer Signifikanz hat man den Phänomen-bestimmenden Schlüsselfaktor gefunden und
veröffentlicht einschlägig.
Das Unbekannte einzubeziehen und auf Grund jahrzehntelanger Anschauung und praktischer Erfahrung inhaltlich weiterzukommen, zeichnet die wenigen
noch ver-bliebenen erfahrenen Ökologen aus.
Die Tatsache, dass Ökologen mit Komplexität umgehen können, und wo es zu ver-worren wird, dies auch zum Ausdruck bringen, führt nicht selten zu Missverständ-nissen und Frustration. Sei es nun bei Behörden, Ingenieurbüros, der Öffentlichkeit oder bei Umweltschutzaktivisten, die wie selbstverständlich davon ausgehen, Wis-senschaftler hätten immer eine schlüssige Antwort parat.
Hauptsache werbetauglich
Ein Wald ist lediglich aus naturwissenschaftlicher Perspektive ein Ökosystem. In Grimms Märchen, der Mineralwasserwerbung, als romantische Vorstellung oder belebende Kulisse für unser Lauftraining ist er kein biologischer Gegenstand und daher auch kein Ökosystem.
„Ökologisch“ bezeichnet mittlerweile auch den ressourcen- und umweltschonenden Umgang mit der Natur, oder eine „naturnahe“ Lebensführung. Neue 'Ökologien' wurden mittlerweile von Theologen der kath. Akademie Rhein-Neckar entdeckt und um jeden Serverpark werden Technoökosysteme entwickelt. Warum Hautcreme, Haferschleim und Bier ökologisch sind, oder ein Aktienfonds Öko Rock'n Roll heist, muss man als Ökologe nicht verstehen, es reicht, wenn deren Erfinder und Werbe-profis dies tun. Man muss es bei der Feststellung belassen, dass Kreativität und Ahnungslosigkeit kein natürlicher Gegensatz sind.
Die neuen Ökosysteme
Jedes komplexerere Beziehungsgefüge bildet ein System. Das ist für Wirtschafts-spezialisten aber zu wenig. So wird mittlerweile alles, v.a. im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz, zum Ökosystem.
Man vergleiche das Zusammenspiel aus Technologie, Daten, Akteuren & Infrastruk-tur mit einem leicht überschaubaren Ökosystem aus Umwelt (Atmosphäre, Strahl-ung) einer Orange (Produzent) sowie darauf siedelnde Schildläuse (Konsument).
Ein Gespür dafür, ob ein Begriff inhaltlich taugt, haben Werbetreibende offenbar nicht. Ob er bei Rezipienten/Konsumenten verfängt schon.
Natur
Ein semantisches Chamäleon...zwischen Romantik, Shopping mall & Marketing.
Gibt es auf einem Bild - wenigstens in der Ferne - Natur, wird sie durch Fälsch-ungen aufgepeppt. Wie krank ist das?
Ein angesehener Skirennläufer kennt die auf das Wernbeplakat gepfriemelten Pflan-zenarten natürlich ebensowenig wie Werbeagentur und Auftraggeber. Wem egal ist was er erzählt, mit welcher Nahrung versorgt derjenige uns? Bei anderen Marken ist die Werbung mit Natur nicht viel besser.
Greift hier endlich die EU-Verordnung zur Stärkung des Verbraucherschutzes und zur Bekämpfung von Greenwashing (EmpCo-Richtlinie (EU) 2024/825)?
Es gilt aber auch: Je unmündiger wir werden, umso mehr EU-Verordnungen müssen uns schützen.
Umwelt
Von Inhalt und Verständnis befreite Umweltkommunikation, die so die thinktanks der Behörden, Agenturen, Parteibüros, überregionaler Zeitungen und Verlage u.a.m. gar
nicht verlassen dürfte...
Umweltpolitik Stuttgart & THE LÄNDLE - fragwürdige
Realitäten
Wissenschaft - fragwürdige Motivationen & Strukturen
Natur - fragwürdige Einstellungen
1 Schiller, F.: Theoretische Schriften. Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von
Briefen, 1793-1794. Vierter Brief. Zum ambivalenten Verhältnis Schillers gegenüber der Natur.
2 Fuller, R. B.: Public lecture at Columbia University (Spring 1965). Vergleichsweise hierzu empfindet
Limnoterra den Sinnspruch Friedrich Schillers (zugegeben, bar jeglichen Kontextes) anmaßend,
anthropozentrisch und etwas kleinkariert. Er ist - da dichtergeadelt - in Politik- und Naturschutzkreisen
sehr beliebt und kommt auch sonst immer gut an.
3 Sprachlich unterscheiden sich Politik, Fachbehörden, Wirtschaft, Verwaltung und mediale Boulevard-Öko-
logie mittlerweile nur noch graduell. Die Art und Weise, verschiedenen Sachverhalten (Klimawandel, Insek-
tensterben, lokales Fischsterben), mal mit bagatellisierendem, mal alarmistischem, aber auch unreflektier-
tem-gutgelauntem Werbeslang beizukommen, macht fassungslos.
Wo Erfahrung und vertiefte Informationen zu vermuten wäre, allseits bekanntes, redundantes Chatbotniveau
in der öffentlichen Kommunikation.
Chatbotniveau: In seiner Ausgewogenheit hervorragend für Schüleraufsätze und Bachelorarbeiten geeignet,
aber keine Expertise, solange das Internet mit so viel Beliebigkeit und Manipulativem gefüttert wird, statt
von einigermaßen Eigennutz-freier Information.
Beispiel: Man sucht etwas Geeignetes. Was man erhällt ist Beliebtes und das ist gleichbedeutend mit Meist-
verkauftes.
Die weiter zunehmende Verwendung Algorithmus-generierter Texte und Bilder und leichtfertiger Verzicht auf
eine eigenständige Sprache und Bildgestaltung, schafft
zunächst einmal massenhaft Informationsvervielfach-
ung bei gleichzeitiger -verflachung und bei Bedarf - vernebelung. Eine Person kann sich wenigstens noch
um konvergentes Denken bemühen und ist menschenfreundlich. Algorithmen bemühen sich nicht - sie opti-
mieren nur; den Menschen kennen sie nur als eine Handvoll Handlungsmuster.
4 „In den Medien findet die Darbietung ökologischer Informationen
offenbar meist in einer Form statt, die man
als Informationsmüllkippe bezeichnen könnte“ (Timothy Morton 2019).
5 i.S.v. Max Frisch (1998): Fragebogen. Suhrkamp Verlag. 16. Auflage. Frankfurt am Main.
6 Die Luft in Baden-Württemberg wird tatsächlich
besser bewertet, als nach dem Klassifikations-
system des Umweltbundesamtes. So wird in Baden-Württemberg bei bestimmten Konstellati-
onen die Luftqualität als ausreichend bezeichnet, die auf Skala des
Umweltbundesamtes bereits als
schlecht geführt wird. Details bei Luftqualität Stuttgart.
7 Smart farming (oder Landwirtschaft 4.0) meets Kultur- und Naturschutz.
8 „Listen to science“ (Greta Thunberg; ohne Datum).
„So sehr die Generation Greta der Politik misstraut, so sehr
vertraut sie der Wissenschaft“ (Hurrelmann &
Albrecht 2020; Kapitel Politik auf Faktenbasis). „Zum Erhebungszeitpunkt waren 92 Prozent des wissen-
schaftlichen und künstlerischen Personals an Hochschulen befristet beschäftigt“ (Forschung & Lehre 2021).
Das universitäre Prekariat und freie Ökologinnen nerven nur selten.
Die Aussicht auf die Dauerstelle im Verwaltungs- und Hochschulbereich, eine gesicherte Auftragslage, vor
allem aber die Aufrechterhaltung eines gewissen Expertenstatus leiden darunter.
Zum Verständnis:
Qualifikation (ExpertInnenstatus) entsteht durch Forschung und die Ressourcen Projektmittel und Zeit.
Wer ist schon in der Lage, Forschung (= sich länger fokussiert mit einem Sachverhalt zu beschäftigen) privat
zu finanzieren - ohne zweckgebundene und, je nach Brisanz des Umweltbereiches
u.U. ergebnisdeterminierte
Projektmittel (vgl. Deutscher Rat für Landespflage 2022)? Ist man in diesem Fall noch Wissenschaftlerin?
Eine äußerst unangenehme und gesellschaftlich völlig unterbelichtete Thematik zu
Abhängigkeitsstrukturen
von UmweltwissenschaftlerInnen, -dienstleistern und selbst Umweltverbänden (viele Vorstände der großen
Naturschutzverbände schaffen es wenigstens in die Landespolitik und erwerben so Rentenansprüche), die sich
schließlich alle irgendwie finanzieren müssen.
9 Sowohl die Diskussion als auch das Handeln und Denken der Menschen sind voll von Paradoxien und
widersprüchlichen Argumenten (Klein, S. 2024: Schottergärten. Ein wissenschaftlicher Beitrag zur aktuellen
Kontroverse um vegetationsarme Steinflächen in privaten Gärten. 387 - 410. Landschaft & Vegetation.
Transcript-Verlag). Limnoterra würde sich freuen, könnten Politiker und Naturschützer, die schnell Verbote
gesetzlich verankern, der Bevölkerung die drei unterschiedlichen Wirkungen von Schotter erläutern.
10 z.B. vor zu schönen Bildern, Postfakten, Dürren/Überschwemmungen, digitaler Öde, Verkehr, Denguefieber...