Limnoterra
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Dr. H. Tremp
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Impulse für Ökologie

Ökosysteme sollen gefälligst ihre Arbeit tun!1


Mehr CO2 binden,

sauberes Wasser bereitstellen,
ein nettes Umgebungsklima
und natürlich Artenvielfalt.

 

Mehr sehen,
Bildern misstrauen

und schon gar keine erfinden.

 

Vor allem produziert gute Wissenschaft Nichtwissen und stellt z.B. fest, daß etwas auf diese oder jene Weise (oder auch überhaupt) nicht zu erreichen ist“ (Hard '97).

Die Stärke von Wissenschaft ist eben nicht, laufend neue Theorien und wundersam-faszinierende Dinge zu erfinden und daneben ewige Wahrheiten zu verkünden, son-dern besteht darin, vieles erstmal zu verwerfen.

In der Googlewelt ist Umwelt grün und strahlend blau.

Ökologie ist komplex, verführerisch in ihrem Ganzheitsanspruch2, sperrig und auch widersprüchlich.

 

Die Übersetzung ihrer Erkenntnisse in wirksame Maßnahmen in jedem Fall
anspruchsvoll.


 

Etwa wie Jura, Baustatik & automotive Lenkungssysteme. Solche Fachinhalte überlassen Politik, Medien und Öffent-lichkeit, berechtigterweise und gerne, Experten. Inhalte sind dabei relevant

- Expertinnen notwendig.

 

 

 

Ökologie - nachgeordnet Natur- & Umweltschutz - funktioniert anders.

 

Hörensagen, Meinung, Lehrmeinung, ungeordnete Fakten existieren widerspruchs-los nebeneinander, überlagert von Verlautbarungen der Medien, politischen News-rooms sowie Werbe- und Presseagenturen.

Ökologie wird nach

  • ihrer jahrzehntelangen inhaltlichen Marginalisierung und Infantilisierung
  • plötzlicher Betroffenheit - wer nähme Klimawandel oder Insektensterben nicht ernst?
  • - nicht selten - völliger Beliebigkeit in Sachfragen (Bsp. Kommunalpolitik: anything goes)

zur Leerformel.

 

In diesem Umfeld fehlt zur Manipulation, angesichts institutionellem (politisch, wirt-schaftlich, wissenschaftlich) Erfolgszwang, oft nur ein kleiner Schritt. Die Fokussier-ung medialer Berichterstattung und öffentlicher Aufmerksamkeit auf reine Gefühls-
themen zählt dazu.

 

Nachfolgend drei völlig harmlose, zur Kennzeichnung eines Massenphänomens durchaus typische Beispiele. Hilft hier noch Medienkompetenz?

 

Solche Maßnahmen, Bilder und Texte sind reine „Wohlfühlökologie“ (Wolfgang Ha-ber). Inhalte, die trivial bebildert - oft sachlich falsch - sind, aber professionell Emo-tionen ansprechen. Nicht ohne Grund plädiert der genannte Autor für aufgeklärte Bildung nicht »Ein«bildung. Hard (1997)1 spricht in solchen Fällen von „Symboli-scher Ökologie“.

 

Selbst Fachbehörden und Ministerien (an dieser Stelle Beispiele aus Politik/Werbung anzuführen, erübrigt sich) neigen immer stärker dazu, Umweltdaten zu emotionali-sieren, als wären diese ohne „Färbung“ nichts wert, oder gar zu verstehen. 

 

 

Es scheint, als hätten Schwärme für virtuelle Politik zuständigen Politikberaterinnen, Multiplikatoren & Quiz-Pädagoginnen ganze Arbeit geleistet. Endlose Infobroschüren-
Produktion und aufgeregtes Ringen um Deutungshoheit, statt die wenigen essentiel-len Fakten und die mit kritischer Distanz getroffenen Abwägungen konsolidiert und koordiniert in die Öffentlichkeit zu tragen.

 

 

Zeitungsartikel Stuttgarter Mooswand 2015 - 2019. Fühlen Sie sich informiert, oder eben unterhalten?

Qalifizierte pluralistische Einschätzung ökologischer Sachverhalte bedarf leider mehr, als den gesunden Menschenver-stand und ein dazu passendes wissen-schaftliches Statement.

 

 

 

 

Jede Info umfasst eine bis drei Textsei- ten und erfordert 5 bis 10 Minuten Lese-
zeit, bietet aber mehr Fakten & Zusam-menhänge, als etwa 40  Pressemeldun-gen der Südwestdeutschen Medien Hol-ding (siehe Info I) & andere Verlaut-barungen.

 

 

 

 

 

Im Falle fehlerhafter Angaben bei Informationen und Faktenchecks freut sich Limno-terra über das Korrektiv kritischer Leserinnen & Leser und bessert umgehend nach.

Alle Betrachtungen beziehen sich auf Institutionen - nie auf Personen.

Info I. Lösen Moose Feinstaub-Probleme in Städten?
Absorbieren Moose Feinstaub? Ja! Zudem ist die vertikale Begrünung in Städten eine wichtige Zukunftsaufgabe. Mehrere Hersteller von Mooswänden bedienen sich allerdings Informationen, die wissenschaftlich nicht haltbar sind. Eine einfache Sensitivitätsanalyse zeigt, wie weit Anspruch und Wirklichkeit auseinanderliegen. An der Stadt der Zukunft zu arbeiten, bedeutet nicht, Politik & Verwaltung nur Visionen zu verkaufen.

Are bryophytes able to absorb atmospheric particulate matter?
Yes, in any case! And further there is an absolute necessity for vertical greening of cities. But manufacturers information about benefits of several square meter moss-wall are not scientifically sound. An easy to understand sensivity analyses shows discrepancy between claim and reality.
Limnoterra_Moose_Feinstaub_2019.pdf
PDF-Dokument [210.9 KB]

 

Entscheidungsträger (parteiunabhängig) werden fachlich und neutral unterstützt.

 

Für die Themen grüne Infrastruktur, Luft-belastung und Klima gibt es dafür Politik-beratung, Umweltausschüsse, Stadtklimato-
logie, -biologie und 
Fachjournalismus.
 

 

 

 

 

Leider Fehlanzeige!

 

Eine dichte Packung des nach Bundesarten-schutzverordnung  und EU-FFH (Anhang V) geschützten Weißmooses (± abgestorben), an der belastete Luft vorbeistreicht, wie an einer Hauswand.

 

 

 

 

 

 

Vielfach preisgekrönte technische Inno-

vation3 und 1,9 Millionen EU-Förderung.

 

Die Presse, Bundesministerien (BMBF und BMWi), selbst Wissenschaftssendungen bei denen Recherchearbeit noch zum Handwerk gehören sollte, wie Galileo, SWR2, oder der Deutschlandfunk titeln „mit der Power von 10 Bäumen“ oder „Citytree erzeugt Frisch-luft“. Auch in aktuellen Fachbüchern zu Nachhaltiger Ökonomie können Studieren-de der Biologie und Wirtschaftswissenschaf-ten davon lesen, wie mit CityTrees die Zukunft der Städte zu gewinnen ist.

 

 

 

 

 

Wie überall - so auch hier -  übernehmen4 die Autorinnen die laufend angepassten Herstel-lerangaben zur Moos-Wunderwelt, ohne sich mit grundlegenden Eigenschaften dieser Abtei-lung des Pflanzenreichs auseinanderzusetzen.

 

Die Unzulänglichkeit der Produktwerbung und verbreiteter Berichterstattung liegt in dem Glauben, dass das, was innerhalb weniger Minuten im Labor-Glaskolben gemessen wurde, auf den Realbetrieb (Moosaktivität im Tages-/Jahresverlauf) hochskaliert werden könnte.

 

Dies funktioniert in der Biologie/Ökologie - Lebewesen sind keine Filtermatten! - nicht.

 

Darüber hinaus wird der "Quasi Inneren Oberfläche" von Moospolstern und verschiedenen Photokatalyse-Konstruktionen - die von Umgebungsluft nie erreicht werden - dieselbe Wir-kung unterstellt, wie äußeren Oberflächen (etwa der Blätter der Bäume) und dies werbe-trächtig in Szene gesetzt. Der medialen Aufmerksamkeit und dadurch explodierenden Pro-duktentwicklung dürften keine Grenzen mehr gesetzt sein, wird der Jahresgrenzwert für Stickoxide der WHO (10µg/m³) in nationales Recht überführt.

 

Der Wunsch der Gesellschaft nach grüner Innovation - und damit Politik - ist mittlerweile so stark, dass die entscheidende Frage, in welcher Größenordnung reaktiver Stickstoff/ Fein-staub durch das Produkt aus unserer Atemluft verschwindet, gar nicht erst gestellt wird. Warum auch, nach der Eingangsbotschaft Citytrees, so gut wie 275....oder wenigstens von 10 Bäumen“ oder "nur 2x2 Meter groß, aber mit der Oberfläche einer ausgewachsenen Bu-che".
Was lässt sich schon gegen Bäume einwenden?

Dies ähnelt dem verbreiteten Umgang mit Kindern, deren Fragen man nicht beantworten kann (oder will) und sie von ihrer eigentlichen Frage ablenkt.

 

Ist das Geschäftsmodell, mit dem Stadtverwaltungen und exzellent besetzte Förderaus-schüsse von Bundesministerien über den Tisch gezogen werden, tatsächlich smart?

 

Investitionen in die Zukunft.

 

Die Herausforderung der nationalen Bioöko-

nomie „Potenziale...innerhalb ökologischer Grenzen zu erkennen und erschließen“, sollte ernsthaft angenommen und nicht an einen grünen Markt, der jegliches Wunsch-denken bedient, delegiert werden.

 

 

 

 

Einmal mehr lässt dieses Beispiel die tra-ditionelle Ökologie-Blindheit technisch-wirtschaftlich orientierter (Bioökonomie-) Fördergremien durchscheinen.

 

 

 

Mooswände leisten zu diesen Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen einen wesentlichen Beitrag, meint die KfW-Bank aus Verantwortung (KfW-Stories).
Grenzwerte - Immissionsminderung - Kosten - Vision.

Ergänzung zu Info I

 

Auffällige Parallelen (zu Mooswänden), wie Millionen an EU-Förderung für eine wissen-schaftlich nicht plausibilisierte Technik,  gaben Anlass für die folgende Ergänzung. 

 

Die Grafik zeigt alternativ zu kollabierten Mooswänden eingesetzte technische Maß-nahmen, um EU Grenzwerte auf einem Stuttgarter Straßenabschnitt einzuhalten.

23 Filtersäulen, ganz ohne Moose, scheiden Feinstaub & Stickoxide aus der Atmosphäre ab. Die modellierte Minderungs-Effizienz nach Herstellerdaten beträgt 10%.5


 

 

Auf einen Simulationswert von 5-10% Feinstaub (PM 10) Minderungs-Effizienz am Neckartor kommt auch eine 2,50 Meter hohe (Passiv)Mooswand mit etwa 4 m² Moosfläche (MoosTex von Züblin/Helix/DITF). Auch diese Hersteller beziehen sich auf die gleichen fragwürdigen  Grundannahmen wie die Hersteller der Citytrees (siehe Info). Gefördert vom Bundesminis-terium für Wirtschaft und Energie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.
Mit Einsatz von Moosen hätte sich die Fa. Mann & Hummel demnach einen Luftdurchsatz von 14.500 Kubikmetern pro Stunde je Kubus-Filter sparen können. 

 

Auch Fachmagazinen wie das für Architek-ten, Planer und Bauingenieure (bba) könnte auffallen, dass - vergleicht man die Metho-dik - wenigstens eines der wissenschaftlichen
Simulationsergebnisse  "völlig aus der Luft gegriffen" sein muss.

 

Der Kampf von Don Quijote gegen Entropie. Städtische Luftverschmutzung beruht auf ei-nem Emissions- und keinem Immissionspro-

blem! Kostenintensive traditionellen „End-of-the-pipe“-Maßnahmen sollte heute kein Ver-kehrsministerium, keine Stadtverwaltung und keine Fachbehörde mehr propagieren müssen.

 

Info II. Die Stuttgarter Parkseen. Nachhaltigkeit und Grenzwerte
Wie steht die Stadt Stuttgart eigentlich zu ihren lokalen Trinkwasserressourcen?

Damit ist weder Bad Cannstatter Mineralwasser im Zusammenhang mit dem Projekt Stuttgart 21 gemeint, ebenso wenig der Bodensee, oder Wasser aus dem Donauried.

Das Beispiel Stuttgarter Wildparkseen zeigt, wie schwierig es ist, Nachhaltigkeit im deutschen Wassersektor konkret werden zu lassen. Der permanente Eintrag von Straßenablauf in ein Wasserschutzgebiet - Stuttgarts einzige lokale Trinkwasserres-source - ist seit Jahrzehnten kein Thema. Mit Gewässerschau & Saprobiensystem sind entsprechende stoffliche Belastungen nicht zu erkennen. Auch der Blick vom Stuttgarter Kessel hoch zum schön bewaldeten Stadtrand ist meist verklärt.
Limnoterra_Grenzwerte_Chlorid_2019.pdf
PDF-Dokument [109.6 KB]

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der über den natürlich anmutenden Bern-hardsbach mit Auftausalzen belastete Stuttgarter Bärensee.

Weitere Informationen s. Parkseen Stuttgart.

Info III. Wie ermittelt man zuverlässig Indikatorarten?
Ökologische Zeigerwerte, Indikatoren für Gewässer- und Luftbelastung, Zeiger für den Klimawandel - kaum eine Pflanzenart, die dem Anwender nicht Hinweise auf bestimmte Umweltzustände geben soll.
Der Nachteil: Es handelt sich um reine (Experten)Einschätzungen. Eine empirische Überprüfung fehlt meist ebenso, wie Angaben über die Güte des Indikators. Eine Indikatorarten-Analyse hilft.
Limnoterra_Indikatorarten.pdf
PDF-Dokument [197.6 KB]

 

Bei Berechnungen von Bestandeszeiger-werten (Ellenberg et al. 1992) ist zu be-rücksichtigen, dass die jeweiligen Pflanzen-Zeigerwerte untereinander hoch korrelieren.

Besonders betroffen sind folgende:


Stickstoff/Feuchte       (rSP =    0,40)

Stickstoff/Licht            (rSP =  - 0,37)

Feuchte/Temperatur     (rSP = - 0,21)

rSP: Spearman Rangkorrelations-Koeffizient

Dies gilt ebenso für Bestandes-Werte,
nur in meist schwächerem Maße.

 

 

 

Interpretationen auf der Basis solcher Berechnungen im Zusammenhang mit Vegetations-, Klimawandelmonitoring, oder Bestimmung von Stickstoffeintrag-Grenzwerten u.a. Critical loads/levels (z.B. Englisch & Karrer 2001) sind daher nicht zwangsläufig schlüssig.

 

Während Vegetationsdaten in Fülle vorliegen, fehlen - immer schon - unabhängige Standort-daten, die aus der "Sicht (Relevanz)" der jeweiligen Artengruppe (Epiphytische Flechten ≠  höhere Gefäßpflanzen/Wiese ≠ Baumschicht/Wald) zu erheben sind.

 

Warum eine identische Skalierung (Zeigerwerte), für hochvariabel auf geringste Veränder-ungen der Feuchteverhältnisse reagierende Moose/Flechten analog der „quasi homöostati-schen Gefäßpflanzen“, praktiziert wird, erschließt sich Limnoterra nicht. Neben der Variabi-lität spricht auch die unterschiedliche Periodizität (Jahreszeit) von Latenzzuständen dieser
ökologisch inkongruenten Artengruppen gegen die stereotype Ausweitung der Zeiger(mittel-wert)ökologie. 
Andererseits sind Zeigerwerte und Zeigerpflanzen, das einer breiten Öffent-lichkeit wohl am besten zu vermittelnde Sujet praxisorientierter Pflanzenökologie. Deshalb, weil Pflanzen uns auf diese Weise (Forstlich-ackerbauliche Anbauplanung), von Nutzen sind. 

 

Hochredundante Daten aus Klima-Modellierungen in ungeeignetem Maßstab (öko big data?) ohne modifizierende Standortbezüge erweitern unser Verständnis vegetationsökologischer Zusammenhänge kaum.

 

Beispiel zur Ermittlung von Indikatorarten für Artenreichtum im Grünland.

Polemik I. ArtenkennerInnen im 21. Jahrhundert
Über Dekaden von bürgernahen Politikern als Blümchen- und Käferzähler belächelt, „wissenschaftlich diskret“ abserviert (...kein Renommee fürs Uni-Ranking), in unbe-
darften Beiträgen (...es summt und brummt im Streuobstland) noch geduldet, ge-
gängelt (aber Expertinnen!), ermahnt, sich doch einfacher auszudrücken (...niemand versteht sie), fließen nun Krokodilstränen um die Letzten ihrer Art.

Hat sich etwas geändert? Eingesetzte Haushaltsmittel werden erhöht, zuvor geschleifte Stellen „neu“ besetzt und AK-Kompetenzzentren gefeiert. Die - nimmt man absehbare ökologische Veränderungen ernst - dringend gebotene Professionalisierung, Anerkennung und Verstetigung eines kritischen Naturschutzes ist kein Thema. Stattdessen Inszenierung und Initiatitivenflut.
Limnoterra_Artenkenner_2019.pdf
PDF-Dokument [153.8 KB]

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Artenkennerinnen6 retten nicht die Welt

(das machen Genomik, Nanotechnologie, KI, Bioökonomie), wissen aber meist, von was sie reden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sind nicht zehntausende BiologielehrerInnen ArtenkennerInnen in spe, die Artenkenntnis praktisch vermitteln würden, gäbe es dafür ein Zeitkontingent?

Beispiel BISA (Biodiversität im Schulalltag).

 

COVID-19 als Chance für (Wieder)Etablierung biologisch-ökologischer Fachinhalte "life-off-line" in der Schul-Nahumgebung (Bsp.: Herrenberg), mit Sicherheit(sabstand) in frischer Luft. Das Thema gehört auch deshalb an die Schulen, damit Kinder, die in wenigen Tagen 100 Arten - etwa der Inhalt der gezeigten drei Faltblättchen - lernen, ihren Eltern die neuerworbenen Kenntnisse vermitteln könnten. 

1

Immerhin erklärten die Vereinten Nationen (nach der Dekade der Biodiversität) - 2021-2030 zur Dekade der Wiederherstellung von Ökosystemen.
Druck- und Internetmedien, Parteien, Kirchen und öffentliche Einrichtungen greifen wahllos auf glat-te Ästhetik getrimmte Bilderagentur-Produkte zurück. Gleichzeitig mit den Bildern werden die teils unsäglichen Vorstellungen von wilder Natur, intakter Umwelt und unserem gelingenden Leben darin übernommen. Ob mit solchen schrägen Bildern im Kopf nicht auch das Denken in Schieflage kommt?


Hard, G. (1997): Was ist Stadtökologie? Argumente für die Erweiterung des  Aufnahmehorizonts
ökologischer Forschung. Erdkunde, 51. 100 - 113.
Der Autor plädiert u.a. dafür, dass Ökologen
 sich eher als unabhängige Beobachter und Evaluierer von Politik und Administration betätigen sollten, weniger als ihre verständigen Berater.

2

Schwarz, A. E. (2001): „Ganzheit“ in der Ökologie - die Geschichte einer seduktiven Idee.
Ber. ANL 25. 49 - 60.

3

So heist es auf den der Firmenwebsite, „Horizont 2020 ist das weltweite größte Innovations-Förder-programm, das vorrangig auf herausragende, innovative klein- und mittelständische Unternehmen abzielt, die großes vorhaben. Green City Solutions hat die internationale Jury mit der Kombination aus Biologie und Technologie überzeugt und sich (...) die höchste Förderstufe sichern können.“

Es geht nicht darum, Startups  Forschungsinstitute und größere Bauunternehmen zu demotivieren, oder bloszustellen. Ein jeder darf Fördermittel einwerben und verkaufen was er will. Wer auf Wissenschafts-Mythen setzt, befindet sich zudem in bester Gesellschaft und bleibt jahrelang auf dem Markt. Auch in den nächsten Jahren werden Citytrees aufgestellt werden. Schon deshalb, weil dadurch Handeln ohne echte Konsequenzen (greenwashing) für Stadtverwaltungen und Firmen bestechend einfach wird.
U.U. werden sie in Zukunft sogar im CO2-Emissionshandel monetarisiert.
Aber, wieviel Vertrauen in innovative biologisch-technische Problem-Lösungen und Fachexpertise sind hippe Unternehmer/Gutachter (Verdienst), Wissenschaftler (Forschungsmittel), Politiker/Journalisten (Öffentlichkeit) bereit zu verspielen? Offenbar hat jeder etwas zu verlieren, wenn solche Produkte nicht gehypt werden. Fragen wie „was sind die Kollateralschäden, oder, was sagt das über unsere Handlungs-fähigkeit bzgl. Luftbelastung und Klimawandel?“ stellen sich nicht.
Als unabhängige Gutachter firmierten auf der Hersteller-Website noch bis vor kurzem das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und der TÜV-Nord (Firmen & Sponsoren). Leuchttürme der Solidität.

 

Ein Amsterdamer Ingenieurbüro führte 2019 eine Wirkungssimulation von acht City Trees auf Basis der Herstellerangaben durch (keine Wirkung) und leistete das, was Aufgabe der Hersteller, Förderinstitutio-nen, Fachbehörden oder Universitäten gewesen wäre, zumal öffentliche Mittel fließen und der öffentliche Raum damit zugestellt wird.
Warum die schon immer in städtischen Scherrasen wachsenden Moose weniger Stickstoffverbindungen aufnehmen (Sedimentation) und verstoffwechseln sollten, als die nicht-adaptierten Moose auf vertika-len Trägermodulen, die zudem die Durchlüftung in der Stadt behindern, bleibt unklar, da innovative Hersteller sich mit Existierendem nicht beschäftigen - es nicht sehen - von kennen ganz zu schweigen.

Eine wissenschaftliche Publikation und aussagekräftige Daten über Wirksamkeit und - nicht vollständig
auszuschließender - Praxistauglichkeit, wäre der richtige Weg aus dem Mooswanddilemma, welches durch mantraartige Berichterstattung (Aufgabe von Medien ist nicht nur die Verbreitung & Vervielfäl-tigung von Nachrichten) am Flackern gehalten wird.
Anscheinend ist niemand bislang in der Lage, diesen selbstverständlichen Nachweis zu erbringen. Statt-dessen der permanente Verweis auf realitätsferne, unzulängliche - von Fördergremien und Käufern nicht einschätzbare - Laborexperimente. Wenn ökologische Wissenschaft sich bei kritischen biologisch-techni-schen Fragen vornehm zurückhält (Liegt ihre oft beklagte Bedeutungslosigkeit auch in ihrem ambiva-lenten Verhalten?), sogar ihren guten Namen dafür hergibt und grüne Heilsversprechen auf unbedarfte Politik und Verwaltung trifft, bleibt es Künstlern wie Gerd Schinkel vorbehalten das Phänomen zu ent-zaubern.
Noch verstehen selbst Kinder seine rhetorische Frage „Gibt's für Bäume denn Ersatz?“.
Demnächst werden sie wohl darauf antworten, „ja, Citytrees“.

 

4

Vielleicht ein Hinweis darauf, dass vielen RedakteurInnen oft die nötige Zeit fehlt, hinter Kulissen zu blicken. Gerade im Falle fehlender Transparenz sollten sich öffentliche Medien gegen Vereinnahmung durch Wirtschaft und Politik wehren. Artikel sind dann eben nicht mehr exklusiv und brandaktuell,
dafür fundiert und lesenswert. Wenn Buchautoren wie Jule Bosch & Lukas Bosch sich noch im
Jahr 2021 (Buchtitel: Ökonomie. So retten führende Unternehmens*aktivistinnen unsere Zukunft. Campus Verlag. 279 S..) denselben Bären aufbinden lassen, wirft dies kein gutes Licht auf die Recherchefähigkeit und -willigkeit der vielschreibenden Zunft.

5

Abschlussbericht der Fa. Mann & Hummel an das Verkehrsministerium Baden-Württemberg.
Eine messtechnisch aufwändige Kampagne, bei der Konzentrationsunterschiede NO2/PM10 im Bereich weniger Mikrogramm/m³ in der bodennahen Luftschicht nachzuweisen waren.

  • Waren die Mess-Sonden, die nur wenige Meter von den Filtersäulen mit einem Volumenstrom von 14.500 Kubikmetern/Stunde entfernt standen, außerhalb deren Einflussbereich und lassen sich mithin die Ergeb-
    nisse als Umgebungswerte bezeichnen? Falls nicht, was bedeuten die politisch propagierten und danach medial 1000fach kolportierten Messwerte für NO2/PM10 dann eigentlich? 
  • Die Mittelwertvergleiche - ohne Filteraktivität vs. mit Filteraktivität - beruhen auf einer hohen Zahl (n) An- und Abschaltzyklen. Bei derart hohen Freiheitsgraden (z.B. NO2: 3245) wird fast  jede Paardifferenz irgendwann statistisch signifikant. Wurde die Zahl der Messzyklen vor Versuchsbeginn festgelegt, oder so lange gemes-sen, bis das gewünschte Signifikanzniveau schließlich erreicht war?

Es bleibt die Frage an das Ministerium für Verkehr und die Stadt Stuttgart zur Aussagefähigkeit der Untersuchungen, aber auch hinsichtlich der Relevanz der Ergebnisse angesichts des Aufwandes, Schadstoffwerte entlang eines kurzen kanalartigen Straßenabschnittes um wenige Mikrogramm abzusenken. Bei allem Respekt für innovative Technik - ab einem gewissen Punkt, der erreicht ist, fängt man an die Atmosphäre zu filtern - sollte über Geld-Verbrenner nachgedacht werden.


Zweifellos wurde das politische Ziel zu 100% erreicht, wenn etwa die FAZ den Vorgang als Erfolgs-
geschichte bezeichnet. Wie bei den Citytrees erfolgte eine EU-Förderung in Millionenhöhe und das Produkt ist als Exportschlager gesetzt.

  • Auto Motor Sport (Stuttgart) vergibt den silbernen Preis
  • Politik gratuliert sich erwartungsgemäß selbst
  • Die Haltung von Fachbehörden - nichtöffentlich

Europäischer Gerichtshof (Juni 2021): Nach EU-Recht haben deutsche Entscheidungsträger jahre-lang zu wenig getan, um die Bevölkerung vieler Städte (u.a. Stuttgart) vor dem Luftschadstoff Stick-stoffdioxid zu schützen.

 

6

Sind nicht zwangsläufig Artenretter.

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