Der Ausgangspunkt
Den Entwicklungen von Agri-Photovoltaik grundsätzlich positiv gegenüberstehend, vermag Limnoterra doch noch zwischen Marketing und kritischer Technikfolgenab-schätzung zu unterscheiden. Daher werden hier (95% aller Agri-PV Beiträge lesen sich wie Werbeprospekte) v.a. ungeklärte landschaftsökologische Aspekte hervorge-hoben.
Auch zuständigen staatlichen Ressorts und Projektnehmern (Wissenschaftlern) wür-de bei der Einführung einer zukunftsbestimmenden Technologie, mehr kritische Dis-tanz gut anstehen.
Die Utopie
Die Gesellschaft entscheidet zur Ab-wechslung einmal als informierter Sou-verän und muss im Nachgang keine Volksentscheide zu Biodiversitätsverlust und Bienensterben bemühen.
Vielmehr erkennt sie in ihrem eigenen Energiehunger und in der vom mensch-lichen Lebensumfeld wenig tangierten Wirtschaft, die
entscheidenden Treiber bei der Gestaltung der zukünftigen
Techno-Natur-Landschaft Deutschlands.
Wie geht Umweltdialog?
Ein echter Umweltdialog setzt eine ungeschönte Gesamtrechnung voraus, wodurch klar wird, mit welchen Verlusten bzw. nachteilig umgestalteten Offenland- Lebens-räumen unsere zukünftige Energieautarkie erkauft wird.
Die Wirtschaft und Politik sehen sich aber einem so plötzlichen und mittelfristig noch zunehmend stärkeren Anpassungsdruck ausgesetzt, dass sie die aus ihrer Agenda resultierenden Betroffenheiten nicht nur unzureichend reflektieren, sondern schlicht ignorieren.
Ökonomie und Politik betonen das wirtschaftlich Relevante und die fleissig gerührte Werbetrommel der
Medienagenturen bedeutet immer Wirkung vor Richtigkeit.
Die Ökologie besorgen im Nachgang dann Umweltausschüsse.
Die Geschichten von Winwin und Mehrwert in einer Welt begrenzter Ressourcen und Überbevölkerung sind eigentlich schon längst auserzählt. Warum sie immer noch verfangen, liegt an ihrem märchenhaften
Charakter.
Mutige und vernetzt denkende Politiker, Ingenieure und Wissenschaftlerinnen, die Technologien nicht einfach 'disziplinär durchwinken' wären - und waren schon im-mer - gefragt. Werden wichtige und kritische landschaftsökologische Fragen aber nicht einmal mehr gestellt, hat es am Ende wieder keiner gewusst und den einschlä-gigen Naturschutzorganisationen wird evtl. gestattet Bürgerbegehren zu starten - der letzte Akt in einem perfiden Spiel.
Dass im ländlichen Raum erstmalig der Mensch mit der Vegetation um den Standortfaktor Licht konkurriert, wird wegen der heute ausschließlich geführ-ten Machbarkeitsdiskussion - und das möglichst schnell - nicht antizipiert.
Es ist eine flächig-bedeutende Form der Teilversiegelung von Landschaft und da-mit ein in vielerlei Hinsicht neues Phäno-men.
Vergleichsweise sind Größenordnung und ökologische Folgewirkung von Windkraft-anlagen, mit denen einfach nur Wind aus
gebremst wird, geringer.
Finanzielle Förderung von Agri-PV zielt fast ausschließlich darauf, die Einsatzbereiche von Photovoltaik auszuloten und auszureizen. Und natürlich besteht Ingenieurskunst darin, zu entwickeln und nicht darin, Vorbehalte zu sammeln.
Daher zeichnet sich der breite Forschungsstrom vor allem dadurch aus, dass man erkannte nachteilige Effekte - ein Forschungs-Nebenprodukt gewissermaßen - geflissentlich übersieht. So war es auch zu Sturm- und Drangzeiten der Kernenergie-Forschung. Es ist ein Leichtes, bestehende Probleme, etwa das der Endlagerung, der Kommunikation zum Restrisiko oder der Erwärmung der Flüsse (Neckar), vor dem Hintergrund heraufziehender düsterer Wolken (Energieknappheit) zu egalisieren.
Dies geschieht über alle Wissenschaftsdisziplinen hinweg. Dabei wird es auch heute wieder richtig kurios, wenn Ingenieure und Techniker anfangen, biologische Unbe-denklichkeitsargumente zusammenzuklauben, zu denen sie weder einen Zugang haben noch etwas davon verstehen.2
Da es offenbar kaum mehr Landschaftsökologen gibt, übernehmen die Anlagener-steller auch gleich die
Technikfolgen-Abschätzung, was natürlich einen erheblichen Kostendämpfungseffekt nach sich zieht. Und schon haben wir sie wieder:
Eine winwin-Situation, wonach sich Minister und Staatssekretäre in den Ländermi-nisterien, etwa dem für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg (Ressortzuschnitt =
Synergie & Gleichklang) und Bundesministerium für Landwirt-schaft, Ernährung und Heimat (auch zuständig für heimatliche Gefühle im Solar-park?) vor Begeisterung geradezu überschlagen dürften.
Alles läuft zwar langsam, aber geräuschlos und glatt, weil Universitäten, privatwirt-schaftliche Forschungsinstitute, Umweltschutzverbände, viele Wissenschaftsdiszipli-nen praktisch nur damit beschäftigt sind, innerhalb der PV-Förderkulisse die eigene Disziplin ins rechte Licht zu rücken.
Noch Fragen?
Das derzeitige Wohlfühlnarrativ lautet etwa so:
Wir haben nun die Möglichkeit, Strom, Lebensmittel und Artenschutz auf einer Flä-che zu realisieren. Außerdem machen Verdunstungsschutz und Bewässerung Land-wirtschaft unter PV in Zeiten des Klimawandels besser technisch handhabbar.
Positiv denken wird in Krisenzeiten Staatsräson.
Die ökologische Bedeutung einer eingezäunten Photovoltaikfläche, die Vegetation womöglich Herbizid-behandelt, entspricht der eines Fußballplatzes.
Alles was Sonnenlicht braucht, braucht Platz. Ein über eine Milliarde Jahre bei Pflanzen evolutiv unverändertes Prinzip. Sonst wären Pflanzenblätter auch schon mal höher als breit.
Es versteht sich von selbst, dass PV-Module nicht auf ertragreiche Böden gehören.
Grenzertragsflächen sind hingegend häufig von hoher Relevanz für den Artenschutz.
Bislang liegt der Fokus der Beurteilung von Agri-PV bei den ökonomischen Parame-tern (Pflanzen)masse- & Energieertrag unter Berücksichtigung des globalen Erwärm-ungspotentials. Wie Natur- bzw. Biodiversitätsschutz hier einzupreisen sind, ist we-der klar, noch berührt es uns in krisenhafter Zeit.
Fünf Hypothesen für Forschungsvorhaben, die von wissenschaftlichen Einrichtungen nur noch falsifiziert werden müssten. Zweifellos wird ihnen (Auftragnehmer gibt es genug) hierzu irgendetwas gelingen, Substanzielles wohl eher nicht.
Unter PV-Modulen
Die Begleitforschung hinsichtlich der Bewertung von Agri-PV des Bundesamtes für Naturschutz endet 2028. Bis dahin dürften die meisten Anlagen dann auch stehen.
Und das sollen sie auch.
Nur, auf Krokodilstränen bzw. kollektiv bekundete Abscheu wie bei Windkaftanlagen
- everywhere, but not in my backyard - kann im Nachgang gerne verzichtet werden.
1
Falls hier der Eindruck entsteht, Limnoterra wäre unbeirrbar innovationsfeindlich, der schaue sich
die erste Photovoltaikanlage auf einem 300 Jahre alten Mehrfamilienhaus in der historisch geschüt-
zten Altstadt Herrenbergs an.
Umgekehrt wurden wirtschaftshemmende Forschungsfelder - Ökologie allgemein - in den letzten
Jahrzehnten weitgehend egalisiert. Fragen von Unabhängigkeit ggü. Folgeprojektfinanzierung ist
an Universitäten und Fachhochschulen kein Thema.
2
Limnoterra würde sich nie etwa zur Statik von Tragwerken, oder zur Eignung bestimmter Spannungs-wandler äußern. Hingegen ist Ökologie ein Themenfeld harmloser Blümchen- und Insektenzähler, eher der Unterhaltungsbranche zugehörig als den Naturwissenschaften, so dass mittlerweile gestandene Techniker Umweltministerien die fachlichen Beratungsvorlagen liefern kann..
Auf die Frage, ob PV-Anlagen ökologisch wertvolle Flächen zerstören, lieferte die Fraunhofer-Gesell-schaft bereits die Antwort „Nein, ganz im Gegenteil, gewöhnlich fördern sie die Renaturierung“. Bio-diversität nimmt unter PA-Anlagen grundsäzlich zu, eingezäunte Solarparks sind gut für Bodenbrüter und sie fördern durch Beschattung die Wiedervernässung (als ob Wiedervernässung ohne Vegetations-wachstum irgendeinen Sinn ergeben würde) der Moore.
Damit wären die Probleme des Natur- und Artenschutzes durch die neuen PV-Biotope gelöst.
Jetzt sind diese nur noch in einen Biotopverbund einzuplanen. Natürlich lassen
sich neben PV-Anlagen, Blühmischungen ausbringen, Steinhaufen und ganz viele Hecken anlegen. Ob diese Allzweck-Ausgleichs-maßnahmen aber in einer landschaftlichen Kontinuität stehen?
Steinbruchbetreiber und Baumschulen, die die immer gleichen Steinhaufen und stereotypes Pflanzmaterial bereitstellen sowie Behörden die irgendwie zu renaturieren haben, werden dies bejahen.
Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) regt
Begleitforschung an.
Dass Agri-Photovoltaik mit Kulturpflanzen wie Hopfen oder Roter Johannisbeere funktioniert, ist für Vegetationsökologen unmittelbar einsichtig, da der ursprüngliche Wuchsort dieser Arten Wälder sind. Bei hochproduktiven flächenbedeutsamen sonnen- und wasserhungrigen Kulturpflanzen dürfte das "Doppelte-Ernte-Credo" hingegen schnell an Grenzen stoßen. "Das Dreifach-Ernte-Credo" (+ Natur-schutz. Wer bietet mehr?) klingt einfach zu märchenhaft, als dass in Zeiten dramatischen Biodiver-sitäts-Rückgangs dieser ausgerechnet durch Technologie, deren Zielorientierng unsere Zukunftsbedürf-nisse sind (Elektroautos, Serverparks...) ist, aufgehalten werden könnte.
Das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft zeigt gut nachvolllziehbare exprimentelle Studien,
wonach die Ertragseinbußen (Getreide, Kartoffeln...) lediglich bei ca. 10% anzusetzen sind.
3 Die vorherrschende Meinung im In- und Ausland die Kühlwasser-Loire wäre mit ihren zu hohen
Temperaturen und Niedrigwasserständen Natur-pur zeigt, wie unnötig es ist, diese ins Verhältnis
zum Gewinn zu setzen. Das statistisches Restrisiko ist - wie der Name schon sagt nicht real, sondern
nur eine gewisse Wahrscheinlichkeit.